{"id":2814,"date":"2017-08-08T07:59:00","date_gmt":"2017-08-08T07:59:00","guid":{"rendered":"https:\/\/eoc.vision\/de\/la-maledizione-della-conoscenza\/"},"modified":"2021-07-06T10:50:27","modified_gmt":"2021-07-06T10:50:27","slug":"der-fluch-des-wissens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eoc.vision\/de\/der-fluch-des-wissens\/","title":{"rendered":"Der Fluch des Wissens"},"content":{"rendered":"<p>1990 hat Elizabeth Newton ihr Psychologiestudium an der Stanford University abgeschlossen. Ihre Doktorarbeit war der Analyse eines sehr einfachen Spiels gewidmet, in dem sie ihren Probanden je eine von zwei Rollen zuwies: Trommler oder Zuh\u00f6rer. Klingt kurios? Abwarten\u2026 Denjenigen, die sich f\u00fcr die Rolle des Trommlers entschieden hatten, wurde eine Liste mit 25 bekannten Liedern in die Hand gedr\u00fcckt, darunter etwa \u201eHappy Birthday\u201c oder die amerikanische Nationalhymne. Aus dieser Liste sollten die Trommler ein Lied aussuchen und dieses mit den Fingern auf die Tischplatte trommeln. Der Zuh\u00f6rer hatte dann die Aufgabe herauszufinden, was da getrommelt wurde. Eine durchaus schwierige Aufgabe \u00fcbrigens. Das k\u00f6nnen Sie feststellen, wenn Sie\u2019s selber versuchen. Probieren Sie\u2019s aus, es macht Spa\u00df.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zum Experiment von Elizabeth Newton, in dessen Verlauf 120 Lieder getrommelt wurden. Wissen Sie, wie viele davon erkannt wurden? Drei. Drei auf 120, also gerade einmal 2,5 Prozent. Dieses Ergebnis an sich w\u00e4re wohl noch kein Doktorat an der Stanford University wert, wenn es da nicht noch ein zweites g\u00e4be. W\u00e4hrend in der Realit\u00e4t n\u00e4mlich gerade eines auf 40 Lieder erkannt wurde, glaubten die Trommler in einem von zwei F\u00e4llen, das Lied ihrem Gegen\u00fcber vermittelt zu haben.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr \u2013 und das ist die eigentliche Erkenntnis des Experiments \u2013 gibt es einen einfachen Grund: Trommelt man ein Lied auf eine Tischplatte, spielt man dieses Lied unweigerlich im Kopf ab, man h\u00f6rt es buchst\u00e4blich. Los, versuchen Sie\u2019s: trommeln Sie \u201eHappy Birthday\u201c auf die Tischplatte! Und, h\u00f6ren Sie\u2019s? Nat\u00fcrlich! Es ist schlicht unm\u00f6glich, es nicht zu h\u00f6ren. Das Problem ist nur: Unsere Zuh\u00f6rer h\u00f6ren das Lied nicht. Sie h\u00f6ren nur ein mehr oder weniger rhythmisches Trommeln, einem bizarren Morsecode nicht un\u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Genau das ist der Fluch des Wissens. Das Experiment Trommler-Zuh\u00f6rer wiederholt sich t\u00e4glich irgendwie irgendwo. Die Trommler sind dann Unternehmenschefs, die Zuh\u00f6rer ihre Mitarbeiter, es sind Lehrer und Sch\u00fcler, Politiker und W\u00e4hler, Verk\u00e4ufer und K\u00e4ufer, Autoren und Leser. Nehmen Sie das Beispiel eines CEOs: Redet er \u00fcber eine Mission und Vision, h\u00f6rt er ein Lied in seinem Kopf, seine Mitarbeiter h\u00f6ren es aber nicht. K\u00f6nnen es nicht h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Ich schreibe diesen Artikel \u00fcbrigens auf meinem Handy, am Strand sitzend und mit einem Buch unter dem Arm, das genau diese Schwierigkeiten der Kommunikation sehr eing\u00e4ngig beschreibt. Ich kann Ihnen das Buch nur w\u00e4rmstens ans Herz legen: <a href=\"https:\/\/amazon.de\/Was-bleibt-richtige-Werbung-unwiderstehlich\/dp\/3446413243\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eWas bleibt?\u201c von Chip und Dan Heath<\/a>.<\/p>\n<p>Viel Spa\u00df beim Lesen und sch\u00f6nen Sommer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1990 hat Elizabeth Newton ihr Psychologiestudium an der Stanford University abgeschlossen. Ihre Doktorarbeit war der Analyse eines sehr einfachen Spiels gewidmet, in dem sie ihren Probanden je eine von zwei Rollen zuwies: Trommler oder Zuh\u00f6rer. Klingt kurios? 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